
Der bekannte mexikanische Ökobauer und Menschenrechtsaktivist Javier Torres Cruz wurde am 18. April 2011 im Bundesstaat Guerrero gefoltert, ermordet und verstümmelt. Sein Bruder überlebte die Auseinandersetzung mit den Paramilitärs schwer verletzt. Der Ermordete gilt als Symbol für den Widerstand gegen die Allianz aus Großgrundbesitzern, Drogenhändlern und Militärs, welche weite Teile Guerreros mit eisener Faust regieren.
Javier Torres Cruz gehörte zur Bauernvereinigung der Sierra von Petatlán an, welche sich Ende der Neunziger Jahre zum Ziel gesetzt hatte, dem Raubbau der Wälder der Sierra durch den lokalen Kaziken Rogaciano Alba Álvarez ein Ende zu setzen. In dieser Auseinandersetzung sind, gemäß dem Arzt Raymundo Díaz, unserer Partnerorganisation CCTI (Komitee gegen Folter und Straflosigkeit), bisher mindestens 60 Personen ermordet worden. Aufgrund der brutalen Auseinandersetzungen haben viele Bewohner_innen ihre Dörfer verlassen. Seit mehreren Jahren floriert in dieser Region das lukrative Geschäft des Drogenhandels. Der ehemalige PRI-Bürgermeister von Petatlán, Rogaciano Alba Álvarez, sitzt seit einem knappen Jahr wegen seiner Drogengeschäfte in Haft. Die Morde an den Bauern der Region hingegen wurden bisher nicht untersucht.
Javier Torres Cruz hatte es 2008 gewagt, Alba Álvarez im Mordfall der Menschenrechtsanwältin Digna Ochoa anzuzeigen; ein Fall, der internationales Aufsehen erregt hatte. Digna Ochoa Plácido wurde am 2001 in ihrem Büro in Mexiko-Stadt ermordet, nachdem sie sich zuletzt in der Region von Petatlán der Verteidigung der Ökobauern angenommen hatte. Die Untersuchungsbehörden konstruierten aus dem Attentat mit Kampfspuren einen Suizid. Die Familie Ochoas glaubte den Behörden nie. Mit der Aussage von Javier Torres Cruz gewann der Fall ein neues Element, die aufwändig konstruierte Selbstmord-These schien zusammenzufallen. Seit seiner Zeugenaussage waren Javier Torres Cruz und seine Familie Verfolgungen ausgesetzt. Im Dezember 2008 wurde er entführt. Nach mehreren Tagen konnte er in einem Moment der Unaufmerksamkeit fliehen. Seit diesem Zeitpunkt setzte sich die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) bei den mexikanischen Behörden für Schutzmaßnahmen für das Leben von Javier Torres Cruz und seiner Familie ein, was die Behörden jedoch verweigerten. Vergangenes Jahr fiel ein Militärkonvoi über die Gemeinde La Morena her. Ein Verwandter von Torres Cruz starb, sein 78-jähriger Großvater und ein weiterer Dorfbewohner wurden gefoltert und befinden sich seither in Haft.
In der bergigen Region von Guerrero macht das mexikanische Militär gemeinsame Sache mit der organisierten Kriminalität. Als Folge der Militarisierung und der Aufstandsbekämpfung der Guerillas in den 1970er Jahren kam der Anbau des Opiums und der Drogenhandel in der Region in Schwung. Der Bundesstaat Guerrero mit seinem weltbekannten Touristenmagneten Acapulco wird seit sechs Jahren von der sozialdemokratischen PRD regiert, ohne erkennbare Verbesserung der Menschenrechtslage. Am 1. April übernahm Ángel Aguirre Rivero die Geschäfte des Gouverneurs. Derselbe Aguirre war schon Ende der Neunziger Jahre vorübergehend Gouverneur, damals für die PRI.
Der medico-Partner CCTI begleitet die Familie Torres Cruz
Der Schwerpunkt der Arbeit von CCTI liegt auf der Prävention von Folter, der Begleitung von Folterüberlebenden sowie der Dokumentation und Anzeige von Folterfällen. Die Organisation besteht aus einem interdisziplinären Team von RechtsanwältInnen, PsychologInnen und ÄrztInnen. CCTI stand bereits vor der Ermordung Javier Torres Cruz mit ihm und seinen Familienangehörigen in Kontakt. Insbesondere während und nach der Entführung 2008 begleitete CCTI die Familie eng. Nach dem grausamen Mord sind die Angehörigen nun besonders auf die Begleitung der psychologischen, medizinischen und juristischen Fachpersonen angewiesen. Mit finanzieller Unterstützung durch medico wird CCTI weiterhin vor Ort präsent sein. Zusammen mit unseren Partner_innen in Guerrero fordern wir die vollständige Aufklärung der Ereignisse, die juristische Verfolgung der Täter und Unterstützung für die Familienangehörigen.
medico finanziert den Grossteil der Aktivitäten von CCTI. Ihr Spende kommt der Familie Torres Cruz und anderen Opfer von Gewalt, Folter und Terror zugute. PC: 80-7869-1 «Mexiko: CCTI» GRACIAS!