Das aktuelle medico-Bulletin steht unter dem Motto «handlungsfähig bleiben». Es richtet den Blick auf Kurdistan, Palästina, Kuba und Vietnam – und zeigt, wie unsere Partnerorganisationen und die Solidaritätsarbeit von medico in der Schweiz auch unter schwierigen Bedingungen Räume für Begegnung und Veränderung schaffen.

Mohammed, Orly und Maja am 1. Mai 2026
Dr. Mohammed Abu Mughaisib, Maja Hess und Orly Noy an der 1. Mai-Demonstration in Zürich. Der diesjährige Slogan «Blocchiamo tutto» steht symbolisch für die solidarische Verbindung der europäischen Arbeiter*innenbewegung mit den Menschen in Gaza.

Editorial

2.Mai, Kasernenareal, Kreis 4, Zürich, gegen 19 Uhr: Ich sitze am medico-Infotisch, das dreitägige 1.-Mai-Fest ist voll im Gange.

«Danke, danke», sagt eine Frau zu mir. «Bitte gerne», antworte ich etwasverwirrt und erstaunt über ihren fast überschwänglichen Enthusiasmus. Sie bemerkt, dass ich nicht ganz verstehe und fragt: «medico, oder?», und zeigt dabei mit der Hand auf den Infotisch. «Ja, medico international schweiz», bestätige ich. Sie: «Ihr macht das super.» Da stimme ich Ihnen zu – ist mein ersterGedanke. Der hilft mir aber nicht wirklich weiter, also frage ich: «Bezieht sich ihr Dank auf etwas Spezielles?» Die Frau breitet die Arme aus, so als wolle sie mich umarmen, und erklärt: «DieVeranstaltung zu Palästina, mit dem Arzt aus Gaza und der Aktivistin aus Israel – die war super. Bravo, vielen Dank dafür!» Ah, jetzt begreife ich. Ich bedanke mich für die netten Worte. Sie nimmt das neueste Bulletin, einen Flyer, und verabschiedet sich.

Wenig später kommen meine beiden Teamkolleginnen zurück zum Infostand. Mit ihnen weitere medico-Aktivist*innen und unsere beiden Gäste Dr. Mohammed Abu Mughaisib und Orly Noy. Auch sie alle sind sichtlich zufrieden und bewegt. Der Raum sei zumBersten voll und das Gespräch sehr eindrücklich gewesen, wird mir erzählt. Viele der Anwesenden hätten Tränen in den Augen gehabt und der Anlass habe mit einer Standing Ovation geendet. Ein voller Erfolg. Auch in den folgenden Tagen bekamen wir viele positive Rückmeldungen, oft mit einem «Danke» verbunden. Hatte die medico-Veranstaltung mit dem Titel «Genozid, Besatzung – Widerstand: Palästinensische und antizionistische israelische Perspektiven» etwas Magisches? Nein. Aber sie hataufgezeigt, dass die Perspektive eines friedlichen Miteinanders nicht gestorben ist – trotz Bomben, trotz Terror, trotz Entmenschlichung. Sie lebt weiter, weil es in Palästina und Israel Menschen wie Mohammed und Orly gibt. Menschen, die unter widrigsten Umständen Widerstand leisten und niemals aufgeben werden, für Frieden und Gerechtigkeit zu kämpfen. Das gibt Hoffnung, Mut und Kraft – genau diesnahmen die Besucher*innen der Veranstaltung mit nach Hause. Dafür bedankten sie sich.

Niemals aufgeben trotz widrigster Umstände. Das lernen wir täglich von unseren Partnerorganisationen. Von Menschen in Palästina und Israel, wie auch von unseren Partner*innen in Kuba, die der verschärften US-Blockade, Stromausfällen und Versorgungsengpässe trotzen. Oder von jenen in Vietnam, wo medico seit Jahrzehnten solidarische Strukturen stärkt, die bis heute tragen.

Niemals aufgeben und solidarisch handeln – das gehört zur DNA von medico seit der Gründung 1937. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. In diesem Sinne: herzlichen Dank für die solidarische Unterstützung.

Siro Torresan,
Geschäftsstelle medico international schweiz

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