Die Mayasem Association ist zu einer wichtigen Partnerin von medico in der Gaza-Nothilfe geworden. Dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit bleibt die Organisation auch unter extremen Bedingungen handlungsfähig – und Ihre Spenden wirksam.
Alice Froidevaux
Die Mayasem Association erweitert in Gaza ihre Bildungs- und Kulturprogramme für Kinder und Jugendliche und verknüpft diese gezielt mit psychosozialer Unterstützung.
Die letzten zweieinhalb Jahre israelischer Angriffe und genozidaler Kriegsführung haben den Gazastreifen verwüstet. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza wurden mindestens 72000 Palästinenser*innen getötet. Expert*innen gehen von deutlich höheren Zahlen aus. Wiederholte Vertreibungen, Hunger und die weitgehende Zerstörung von Wohn- und ziviler Infrastruktur haben die Bevölkerung entkräftet. Hinzu kommen massive Abfall- und Hygieneprobleme, sich ausbreitende Krankheiten und eine Rattenplage. Auch der im Oktober 2025 erreichte «Waffenstillstand» bringt nur minimale Erleichterung. Israel besetzt derzeit mindestens 53 Prozent des Gazastreifens; der Wiederaufbau bleibt blockiert, Tötungen, Zerstörung und die Blockade von lebenswichtigen Hilfsgütern sowie Medikamenten dauern an. Zwar gelangen wieder mehr Lebensmittel nach Gaza, doch vor allem Konserven und zuckerhaltige statt frischer Produkte.
Trotz allem bauen die Menschen in Gaza ihre Lebensgrundlagen wieder auf. Eine der zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Überlebenshilfe im Alltag organisiert, ist die Mayasem Association. Ihre Entwicklung steht exemplarisch für das, was «handlungsfähig bleiben» unter Extrembedingungen bedeutet. Vor dem Krieg war Mayasem ein Zentrum für Kunst und Kulturarbeit in Al-Qarara. Mit Beginn der israelischen Angriffe wandelte sich die Organisation innerhalb kürzester Zeit zu einem Nothilfezentrum um: Seither koordiniert sie Freiwillige, verteilt Wasser und Lebensmittel, betreibt Suppenküchen, errichtet Zeltlager und organisiert Bildungsangebote. Nachdem das Team selbst mehrfach vertrieben wurde, betreibt es seit 2025 im Westen von Al-Qarara das Camp Shaqaqi Al-Numan. Im Zentrum des Projekts steht heute die Verbindung von akuter Nothilfe und längerfristiger Stabilisierung für die Bewohner*innen des Camps und der Umgebung. Dazu gehören der Aufbau von Wasser- und Solarsystemen sowie Abfall- und Abwasserentsorgung ebenso wie psychosoziale Unterstützung.
Vor dem Hintergrund der massiven Zerstörung, existenzieller Unsicherheit und Traumata wird die psychosoziale Arbeit bewusst mit praktischen Trainings verknüpft: Jugendliche und Frauen werden in Gemeinde- und Gesundheitsarbeit sowie in handwerklichen und kulinarischen Tätigkeiten geschult. Ziel ist der Aufbau lokaler Kapazitäten, die das Camp aktiv unterstützen und die Selbstwirksamkeit der Beteiligten stärken. Für Kinder wird das kulturelle Programm ausgebaut. Theater, Malerei, Musik und Erzählformate schaffen geschützte Räume, ermöglichen ihnen Ausdruck und stärken psychische Stabilität und Selbstvertrauen. Die Partnerschaft mit Mayasem folgt dem medico-Ansatz, lokale Basisstrukturen zu stärken. Humanitäre Arbeit wird dabei nicht von aussen bereitgestellt, sondern von Menschen vor Ort getragen, die unter extremen Bedingungen Verantwortung übernehmen.