Unter den Bedingungen verschärfter Blockade und multipler Krisen eröffnen die feministischen Partnerprojekte von medico in Kuba und der Region konkrete Handlungsspielräume. Sie stärken internationale Solidarität und entwickeln kollektive Strategien gegen strukturelle Gewalt.
Angelika Stutz
Mitglieder der Articulación Afrofeminista Cubana
Die Lebenssituation in Kuba verschärft sich durch die ausgeweitete US-Blockade dramatisch. Einschränkungen bei Treibstoffimporten führen zu massiven Versorgungsengpässen und treffen auch das Gesundheitssystem: Es fehlen essenzielle Medikamente, die Versorgung chronisch Kranker ist gefährdet, Personal- und Diagnostikmangel prägen den Alltag. Zunehmend extreme Wetterereignisse wie Hurrikans verschärfen die Situation weiter. Unter diesen Bedingungen sind Solidarität, gemeindebasierte Selbstorganisation und internationale Vernetzung zentral. medico unterstützt insbesondere feministische Projekte, die soziale Resilienz stärken und kollektive Handlungsspielräume sichern.
Die medico-Partnerorganisation Articulación Afrofeminista Cubana setzt sich gegen Rassismus, Patriarchat und Diskriminierung ein. Mit einer intersektionalen Perspektive stärken sie
afrodeszendente Frauen, indem sie das Zusammenspiel von Klasse, Geschlecht, Alter und Hautfarbe sichtbar machen. Die jährliche afrofeministische Aktionswoche mit Workshops, Vorträgen und kulturellen Veranstaltungen fördert Selbstbewusstsein, Sichtbarkeit und Vernetzung. Zentral bleibt die lokale Verankerung des Netzwerks in den Gemeinden, insbesondere durch Bildung: Die Escuela Comunitaria Afrofeminista vermittelt antirassistische Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen und fördert langfristig die Selbstermächtigung der Community.
Seit 2025 unterstützt medico ein länderübergreifendes Psychodrama-Ausbildungsprojekt für Vertreterinnen der Federación Democrática Internacional de Mujeres (FDIM). Die Ausbildung findet in Guatemala statt und richtet sich an 20 Frauen. Psychodramatikerinnen aus El Salvador, Guatemala und Kuba wirken als Co-Leiterinnen und vertiefen unter der Leitung von Ursula Hauser, Ausbildnerin, Supervisorin und langjähriger medico-Partnerin, ihre fachlichen Kompetenzen. Im Zentrum steht feministisches Psychodrama als Gruppenprozess-Methode, die Traumata in ihrem sozialen und politischen Kontext sichtbar macht. In einem geschützten Raum setzen sich die Teilnehmerinnen mit persönlichen und kollektiven Gewalterfahrungen auseinander, erkennen strukturelle, patriarchal dominierte Machtverhältnisse und entwickeln Strategien, diesen entgegenzutreten. So entstehen neue persönliche und kollektive Handlungsräume.