Seit 30 Jahren steht medico an der Seite der Asociación Guatemalteca de Personas con Discapacidad. Heute setzt sich der Verein mit neuer Kraft für bessere Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen und Kriegsversehrte ein.

Edith Bitschnau

Vorstandsmitglieder der AGPD treffen sich mit Gemeindevertreter*innen.

Von Militärdiktatur, Völkermord und Repression bis zu den jüngsten Krisenjahren: Unsere Solidarität mit den Partner*innen von AGPD bleibt. Nach zwei Jahren Unruhe und Stillstand kann die medico-Partnerorganisation AGPD mit neuem Vorstand aus vertrauten Mitgliedern ihre fast 30-jährige Arbeit wieder aufnehmen. Als Erstes wurde das verwaiste Büro wieder funktionsfähig gemacht. Anschliessend reiste eine Gruppe des Vorstands tagelang in entlegene Gemeinden und Kooperativen, um die Bedürfnisse der Mitglieder zu erfassen und über die Zukunft der Basisorganisation zu diskutieren.

Die nächsten Schritte

Die Diskussionen zeigten erneut die Enttäuschung über den Verrat des ehemaligen Präsidenten, aber auch klare Ziele für die Zukunft: Die Statuten sollen geändert werden, so dass Aussenstehende künftig keine Macht innerhalb der AGPD gewinnen können. Ausserdem sollen das politische Engagement für die Rechte von Menschen mit Behinderungen wieder gestärkt und die internationalen Kontakte mit Behindertenorganisationen intensiv gepflegt werden. Auch die praktischen Arbeitsfelder sollen 2026 wiederbelebt und ausgebaut werden: Kurse zur Herstellung von Heilpflanzenmedizin, neue kollektive Heilkräutergarten und Schulungen zum regionalen Verkauf der Produkte. Zudem ist die Wiederaufnahme der Hebammenausbildung geplant. Gleichzeitig bleibt die medizinische Versorgung vieler Mitglieder – darunter Kriegsversehrte – zentral: Prothesen, Arzt- und Physiotherapie-Termine, Gehhilfen, orthopädische Hilfsmittel und Medikamente werden bereitgestellt.

Politische Spannungen

Die politische Lage in Guatemala bleibt angespannt. Präsident Bernardo Arévalo steht weiterhin unter Druck des sogenannten «Pakt der Korrupten» – ein Bündnis, das demokratische Institutionen untergräbt und die Straflosigkeit für Menschenrechtsverletzungen aufrechterhält. Zu Jahresbeginn kam es zu organisierten Gefängnisaufständen. Es wird vermutet, dass politische Kräfte im Umfeld der Generalstaatsanwaltschaft dahinterstehen. Im Mai stehen wichtige Neubesetzungen im Justiz-
wesen an. Der verhängte 30-tägige Ausnahmezustand erhöht das Risiko von Einschränkungen grundlegender Freiheiten. Korruption, Einfluss auf die Justiz und Gewalt behindern weiterhin eine stabile demokratische Entwicklung Guatemalas.