Der Jahresbericht 2025 gibt Einblick in die wichtigsten Aktivitäten und Entwicklungen der von medico unterstützten Projekte. Er führt nach Mexiko, Guatemala, Nicaragua, El Salvador, Kuba, Vietnam, Kurdistan sowie nach Palästina/Israel und zeigt zugleich das Engagement von medico in der Schweiz. Der Finanzbericht legt offen, wie die uns anvertrauten Mittel verantwortungsvoll eingesetzt werden. Wir wünschen eine anregende Lektüre.
El Salvador: Die Theatergruppe von «Mujeres Libres» tourt mit ihren Stücken durch verschiedene Gemeinden.
Liebe Leser*innen
«Save the world with feminism» – Rette die Welt mit Feminismus – war einst ein Motto der Frauenbewegung. Fantastische Aussage, doch welche Bedeutung hat sie gegenwärtig?
Der Blick auf unsere Projektpartner*innen im «Globalen Süden» zeigt: Die Organisierung von Frauen und ihr Kampf ums Überleben und für soziale Veränderung sind der Motor des Widerstands gegen die herrschenden Verhältnisse der Ungleichheit, Gewalt und Repression.
Frauen schaffen eine neue Form der «Untergrundbewegung». Unauffällig, leise und beharrlich setzen sie ihre Arbeit fort, versuchen, unter dem Radar staatlicher Kontrolle zu bleiben, und bedienen sich neuer Ausdrucksformen. Frauen spielen in El Salvador mit Metaphern und farbigen Bildern Theater. In Nicaragua betreiben sie unbemerkt Anlaufstellen für «Schwestern», die Gewalt erleben. In Mexiko suchen die «buscadoras» in mühsamer und riskanter Kleinstarbeit nach Überresten ihrer verschwundenen Liebsten. Und in Kuba nutzen Frauen afrofeministische Verbindungen, um sich für das tägliche Überleben zu organisieren. So entstehen Netzwerke des Widerstands in einer Welt voller Gewalt, Kriege, Vertreibung und Unterdrückung.
Die Menschlichkeit nicht zu verlieren – ja, sogar auf ihr zu beharren, sie täglich zu verteidigen und dem entfesselten Inferno des Rechts des Stärkeren entgegenzuhalten – ist die Grundlage, auf der die medico-Partnerorganisationen ihre Arbeit aufbauen. Daraus ziehen sie auch die Kraft, trotz widrigster Bedingungen und traumatisierender Erfahrungen weiterzumachen.
Wir als medico-Team möchten mit Ihrer Unterstützung an der Seite dieser Menschen stehen und bleiben, die uns mit ihrer Entschiedenheit, Standhaftigkeit und Kraft täglich beeindrucken. Denn oft scheint die Welt «unrettbar», die politischen Aussichten sind finster. Doch der Mut weiterzumachen, verbindet uns. Erfahrungen von Würde, Gleichberechtigung und Frauenbefreiung – wie in Rojava – sind prägend und bilden die Basis für neue Formen des Widerstands.
Vielen Dank für ihre beharrliche Solidarität!
Maja Hess
Präsidentin, medico international schweiz