medico international schweiz

Hintergründe

Gaza: „Unsere Zivilgesellschaft hat noch Widerstandskraft”

2brustkrebsfrueherkennung.jpgInterview mit Majeda Al-Saqqa, Sprecherin der Culture & Free Thought Association, einer Partnerorganisation von medico international deutschalnd in Gaza, über die Auswirkungen der israelischen Blockade auf das soziale und politische Leben. Von Tsafrir Cohen, Ramallah

Über drei Jahre nach ihrem Beginn, wird von einer Aufweichung der Blockade gesprochen. Grund zur Freude?
Das würde unsere Abhängigkeit von den Waren verringern, die durch die Tunnel aus Ägypten geschmuggelt werden. Da es sich um Schmuggelware handelt, haben Geräte keine Garantien, Medikamente und Lebensmittel falsche Verfallsdaten, und insgesamt ist alles von miserabler Qualität. Die Blockade betrifft alle Lebensbereiche. Unsere Fahrzeuge müssen häufiger für viel Geld in die Reparatur, weil das schlechte Benzin den Motor beschädigt. Die Malstifte, die wir für Kurse nutzen, trocknen nach einmaligem Gebrauch einfach aus. Gerade schreiben alle Schüler ihre Endexamen, doch weil auch die Energiezufuhr nicht reibungslos funktioniert, fällt der Strom etwa acht Stunden am Tag aus, meist abends. Eine bessere und kontrollierte Zufuhr von Hilfsgütern wird aber die Arbeitslosigkeit, die bei über 40% liegt, nicht senken helfen. Auch wird sie die Abhängigkeit von Außenhilfe nicht verringern, die bei 80% liegt. Beides verursacht eine Krise der Würde.

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Israel: Die innere Entdemokratisierung

Die Arbeit der Ärzte für Menschenrechte in Tel Aviv steht unter Druck

Neue Gesetzesvorhaben sollen die Stimmen der israelischen Opposition einschränken.

2phroffeneklink.jpgvon Tsafrir Cohen, Ramallah
Während die israelische Regierung gegenüber dem Engagement von Menschenrechtlern in den besetzten Gebieten stets eine ambivalente Haltung einnahm, konnten ihre Kollegen in Israel bis vor kurzem relativ ungehindert arbeiten. Die Redefreiheit war gewährleistet, und der medico-Partner Ärzte für Menschenrechte – Israel (PHR) konnte auf professioneller Ebene mit Armee- und Regierungsstellen kommunizieren und nötigenfalls durch vorgesehene Kanäle Anliegen palästinensischer Einwohner vortragen. Doch seit den israelischen Angriffen auf den Gazastreifen um die Jahreswende 2008/09 stellt die israelische Regierung die Legitimität von Menschenrechtsorganisationen immer stärker in Frage.

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Palästina: Eine Ausbildung fürs Leben

Interview mit Studentinnen an der School of Community Health

hadil, aida, schul-k aydaayesh.jpg von Tsafrir Cohen, Ramallah
Aida Ismail und Hadil Al-Misri (zusammen mit der Schulleiterin Ayda Ayesh im Bild) absolvieren das zweite und letzte Jahr der Ausbildung zur Gemeinde-Gesundheitspflegerin an der School of Community Health in Ramallah.

medico: Wie war es, als ihr eure Ausbildung begonnen habt?

Aida Ismail: Als ich hierher nach Ramallah kam, hatte ich es sehr schwer. Zuhause in Beit Ula waren wir zehn Kinder. Hier war ich zum ersten Mal auf mich gestellt und allein in einer fremden, grossen Stadt. Ich hatte Heimweh, dachte oft an die Eltern. Doch wir leben hier in einem Studentinnenheim, und langsam habe ich mich daran gewöhnt. Heute möchte ich es nicht missen, diese zwei Jahre haben mich befreit. Zuhause hat meine Mutter über alles entschieden. Hier entscheide ich über mein Leben, was ich nach der Schule tue, was ich einkaufe. Nicht, dass ich viel Geld habe. Ich muss mit 200 Schekel (rund 60 SFR) im Monat auskommen. Davon gehen 66 für die monatliche Fahrt nach Hause weg. Das ist so teuer geworden, weil wir Jerusalem umfahren müssen, das verdoppelt die Strecke.

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