medico international schweiz

Psychodrama-Ausbildung in Gaza

Zunächst lancierten die beiden Ärztinnen ihre Arbeit in der Westbank. Seit 2002 führen sie in Gaza zusammen mit den Partnerorganisationen „Gaza Community Mental Health Program“ (GCMHP) und der „Palestinian Medical Relief Society“ (PMRS - Gaza) mehrtägige Workshops in Psychodrama mit an der Bevölkerungsbasis tätigen Frauen und Männern verschiedener unserer ProjektpartnerInnen durch.

Im September 2006 schlossen insgesamt 15 Ärzte, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und eine Krankenschwester nach vier Jahren  die erste Basisausbildung erfolgreich mit einem Diplom ab. Im Juni 2008 startete die zweite dreijährige, berufsbegleitende Ausbildungsphase. 2010 werden voraussichtlich die ersten 6-7 StudentInnen ihr Diplom als Psychodrama-Direktoren erhalten. Alle TeilnehmerInnen wenden die gelernten psychodramatischen Techniken bereits in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, mit Frauengruppen, wie auch in die Krisenbewältigung in den Lagern an.

Leider ist es meist sehr aufwändig und schwierig, die Einreisebewilligung am Eretz Crossing Point von der israelischen Armee zu erhalten. Wertvolle Unterstützung bei diesem kompliziert gewordenen Procedere leistet jeweils unsere Projektpartnerin, die Physicians for Human Rights PHR-Israel in Jaffa-Tel Aviv.

Psychosoziale Gesundheit
Das Psychodrama wurde von Dr. J. Moreno als Wissenschaft der psychologischer Arbeit entwickelt. Das Schwergewicht des therapeutischen Settings liegt in der Kreativität, der Spontaneität und dem sozialem Handeln in Gruppen. Eingang in die theatralischen Inszenierungen Morenos finden daneben auch Elemente der freudianischer Psychoanalyse des Unbewussten. Nach erprobten Methoden erleben TeilnehmerInnen in Gruppen gemachte traumatisierende Erfahrungen neu und bearbeiten sie in offenen Gesprächen und Debatten. In der angespannten und äusserst schwierigen Situation, in der die Menschen in Gaza leben, bedeuten Ausbildung und Supervision für die Beteiligten in der Regel zunächst Trauerarbeit. Dort finden sie Bestärkung, Ermutigung und Kraft, das eigene Leben selbst bestimmter zu gestalten und konstruktiv gewaltfreien Widerstand gegen die seit vielen Monaten andauernde Blockade Israels zu leisten.

2007 besuchten die beiden Ausbildnerinnen, Ursula Hauser und Maja Hess die AbsolventInnen des ersten vierjährigen Kurses mit einer Supervison, in der sie unter fachkundiger Leitung die schwierige psychosoziale Situation in Gaza praktisch an Hand der gemachten Arbeitserfahrungen analysieren konnten. Dadurch werden Fachkompetenz und Selbstbewusstsein der Fachleute gestärkt und konstruktive Kräfte für den gewaltfreiem Widerstand gegen die Auswirkungen der anhaltenden Blockade durch Israel mobilisiert.

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