Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit, die ständige Unsicherheit und die wachsende Armut sind Ursachen für eine starke Zunahme von gesundheitlichen Problemen in der palästinensischen Bevölkerung. Durch das Errichten der Trennmauer und der Zäune wurden Dörfer der Westbank isoliert. Checkpoints und Strassensperren verunmöglichen oft das Verrichten von einfachen medizinischen Massnahmen, wie zum Beispiel regelmässige Schwangerschaftskontrollen oder der Besuch beim Zahnarzt. Die akute Behinderung der Bewegungsfreiheit in den isolierten Regionen hat dazu geführt, dass sich die ländliche Bevölkerung bei gesundheitlichen Problemen vermehrt an die lokalen Gesundheitsarbeiterinnen wendet. Wenn kein ärztliches Personal erreichbar ist, müssen sich die Gesundheitsfachfrauen auch um medizinische Notfälle kümmern. Umso wichtiger ist es, dass ihnen während ihrer Ausbildung ein solides, medizinisches Grundwissen vermittelt wird. Erste Hilfe, Krankheitserkennung, Gesundheitserziehung, Medikamentenlehre, Betagtenbetreuung, Säuglingspflege und Frauengesundheit sind einige der Kernfächer, die an der Schule für Gemeindegesundheit gelehrt werden. Daneben werden die jungen Frauen auch in allgemein bildenden Fächern wie Englisch, Arabisch, Mathematik, Informatik und Management geschult.
Die „School of Community Health“ wurde 1984 mit dem Ziel gegründet, ein neues Konzept in der Gesundheitspflege aufzubauen: Junge Frauen, meist aus ländlichen Regionen und unterprivilegierten Schichten, konnten sich zunächst in einem drei- und später neunmonatigen Lehrgang zu Dorfgesundheitspflegerinnen ausbilden lassen. Der Lehrgang wurde im Laufe der Zeit ständig verbessert. Die „School of Community Health“ erhielt 1997 die Anerkennung des Gesundheitsministeriums und 2000 des Ministeriums für höhere Bildung. Heute kann die Fachhochschule für Gesundheit einen zweijährigen Lehrgang zur Gesundheitsarbeiterin anbieten, der mit einem vom palästinensischen Gesundheitsministerium anerkannten Diplom abgeschlossen wird. Neben der medizinischen Grundversorgung und pflegerischen Kenntnissen werden in der Ausbildung auch Methoden zur Stärkung der psycho-sozialen Gesundheit vermittelt. Auch erwerben die angehenden Gesundheitsarbeiterinnen im Verlauf ihrer Ausbildung ein breites Wissen im präventiven Bereich.
Neben einem Mittelschulabschluss ist für die Aufnahme an die „School of Community Health“ in Ramallah die Verankerung der angehenden Studentin in ihrer jeweiligen Herkunftsgemeinde ein zentrales Kriterium. Deshalb werden die Anwärterinnen auf einen Ausbildungsplatz von den Gemeinden bestimmt und der Schule vorgeschlagen. Eine enge Verbindung mit der Bevölkerung der Herkunftsgemeinde ist für die Absolventinnen der Schule deshalb so wichtig, weil sie während und nach der Ausbildung oft Hausbesuche unternehmen. Sei dies für Krankenbesuche oder für Präventionskampagnen, mit dem ausdrücklichen Rückhalt der Gemeinde, finden die Gesundheitsarbeiterinnen meistens offene Türen vor.
Nach bestandenem Fachschulabschluss arbeiten 8 von 10 Gesundheitsarbeiterinnen als Fachpersonen in den kommunalen Gesundheitszentren, bei Nichtregierungsorganisationen oder in privaten medizinischen Einrichtungen. Alle diplomierten Frauen werden Mitglied der Gesundheitskommission ihrer Wohngemeinde. Sie leiten Gesundheitskampagnen, verwalten Apotheken und Gesundheitszentren, organisieren die Medikamentenabgabe, machen Haus- und Schulbesuche und arbeiten an Lösungsansätzen für Gesundheits- und Umweltprobleme in den Gemeinden. Für ihre qualifizierte Arbeit erhalten die Frauen einen den palästinensischen Verhältnissen entsprechenden Lohn. Dies vermindert ihre wirtschaftliche Abhängigkeit und führt meistens zu einer Verbesserung der persönlichen und familiären Lebenssituation. Frauen Fachwissen zu vermitteln bedeutet, ihnen ein Werkzeug für die Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens in die Hand zu geben.
Die Ausbildung zu Gesundheitsarbeiterinnen eröffnet jungen Frauen neue Horizonte und sichert dörflichen Gemeinden in den besetzten Palästinensergebieten einen nachhaltigen Zugang zur Basisgesundheit. Unterstützen Sie mit uns diese "Ausbildung fürs Leben".
Dieses Projekt führt die medico-Partnerorganisation Palestinian Medical Relief Society (PMRS) durch.