Eine weitere Schwierigkeit für unsere Projektpartner ist die finanzielle Knappheit, die es ihnen nicht erlaubt, alle vorgesehenden Pläne zu verwirklichen.
Die AGPD ist eine basisdemokratisch funktionierende Selbsthilfeorganisation. Letztes Jahr wurden, wie alle vier Jahre, der Vorstand und das Präsidium neu gewählt. Der von allen sehr geschätzte Präsident Santiago Lucas Ramos legte nach acht Jahren sein Amt nieder. Auch der neu gewählte Präsident Mateo Baltazar ist langjähriger Aktivist und muss selber mit einer Behinderung leben.
Die Hebammenausbildung stärkt die Gesundheit und Eigenständigkeit von Frauen
An der Mitgliederversammlung 2011 wurde der Wunsch geäussert, die ebenfalls von der AGPD initiierte Hebammenausbildung in einer neuen Region aufzunehmen. Sofern medico über ihre SpenderInnen das nötige Geld aufbringen kann, sollte dem nichts im Wege stehen. Die Hebammen von Alta Verapaz, Peten und Nebaj haben vergangenes Jahr mit Erfolg ihre Ausbildung abschlossen und weitere Kurse sind bereits angelaufen. AGPD und medico sehen diese Ausbildungen als Erfolg für die Stärkung der Eigenständigkeit der Frauen und für die Verringerung der Müttersterblichkeit in den ländlichen Gebieten.
Das Alltagsgeschäft der AGPD, die sich um die Integration und medizinische Betreuung von Menschen mit durch den bewaffneten Konflikt verursachten Behinderungen kümmert, ist ein weites Gebiet. Wie jedes Jahr haben sie verschiedenen Mitgliedern ärztliche Behandlung zukommen lassen, Hilfsmittel wie Prothesen und Rollstühle mussten repariert oder ersetzt werden. Unzählige Reisen auf unwegsamen Strassen führten sie zu den Gemeinden, in denen ihre Mitglieder zu Hause sind. Viele von ihnen können inzwischen ein selbständiges Leben führen. Durch die AGPD haben sie sich eine Existenz aufbauen können oder fallen zumindest ihren Familien nicht finanziell zur Last. Mit den Behinderungen hadern die Familien und die Betroffenen selbst. Noch oft durchleben sie die traumatischen Umstände, welche zu ihren Verletzungen geführt haben. Dies haben wir bei unserem letztjährigen Besuch bei der AGPD eindrücklich erleben können. Wann immer es die Finanzen erlauben, arbeitet die AGPD mit einem Psychologen zusammen, der mit den Betroffenen und wenn nötig auch mit ihren Familien Gespräche führt.
Die AGPD ist an den nationalen gesundheitspolitischen Aktivitäten und Diskussionen zum Thema Menschen mit Behinderung beteiligt. Sie ist Mitglied in der halbstaatlichen Behindertenorganisation CONADI und pflegte auch vergangenes Jahr engen Kontakt mit ALGES (Organisation der Kriegsversehrten) in El Salvador. Wir hoffen, dass sich ihr Wunsch, vermehrt internationale Kontakte zu pflegen, in diesem Jahr erfüllen wird.
Edith Bitschnau
Die Guatemala-Projekte im Überblick
Projekt: Rehabilitation von Kriegsversehrten
Partnerorganisation: Behindertenvereinigung AGPD
Projekt: Hebammenweiterbildung
Partnerorganisation: Hebammengruppen Nebaj, Ixcan, Alta Verapaz
Total Projektzahlungen 2011: 42‘834 Franken