medico international schweiz

Jahresbericht 2011: medico schliesst die Zusammenarbeit mit Eritrea ab

Erfolge in der dezentralen Gesundheitsversorgung der ländliche Bevölkerung

Während vieler Jahre hat medico in Zusammenarbeit mit der eritreischen Entwicklungsorganisation Vision Eritrea erfolgreich verschiedene Gesundheitsprojekte unterstützt. Insbesondere durch den Bau von Gesundheitszentren und Gesundheitsposten, leistete medico in den vergangenen Jahren einen Beitrag zu einer auch für die ländliche Bevölkerung erreichbaren, funktionierenden Gesundheitsversorgung.Die Gesundheitspolitik Eritreas kann über weite Strecken als vorbildlich bezeichnet werden, da sie speziell auch auf die Bedürfnisse der ländlichen und armen Bevölkerung eingeht. Dezentrale Strukturen und ein vernetztes System sollen den Zugang zur Basisgesundheitsversorgung für Männer, Frauen und Kinder ermöglichen. Die von medico unterstützten Projekte wurden jeweils auf Dorf- und Gemeindeebene in Partizipation mit der lokalen Bevölkerung durchgeführt.

 

Zunehmende Unstimmigkeiten mit dem Gesundheitsministerium

Jedes internationale Projekt muss in Eritrea vom zuständigen Ministerium bewilligt werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der vom eritreischen Staat anerkannten NGO ›Vision Eritrea‹ und den Ministerien ist unumgänglich. Obwohl die nötigen Schritte von der Projektplanung, über die Konsultationen der staatlichen Stellen bis hin zur Detailplanung mit den zuständigen Stellen immer sorgfältig abgesprochen worden waren, mussten wir in den vergangenen Jahren bereits zweimal erleben, dass von medico unterstützte Projekte – ein HIV-Präventionsprojekt und um ein Familienplanungsprojekt – kurz vor der Umsetzung vom Ministerium gestoppt wurden.

Über die Gründe der Ablehnung können wir nur spekulieren, da weder unsere langjährigen Projektverantwortlichen noch unsere Partnerorganisation über die Hintergründe der Entscheidung aufgeklärt wurden.

Diese ungenügende Transparenz und eine teilweise verzögerte Kommunikation bezüglich anfallender Schwierigkeiten bei der Projektumsetzung erschwerten es uns zunehmend, den eritreischen Partnern das nötige Vertrauen vollumfänglich zuzusprechen.

 

Eine politische Entwicklung mit grossen Schattenseiten

Neben den projektbezogenen Schwierigkeiten, lösen die politischen Entwicklungen Eritreas zunehmendes Unbehagen aus. Seit der Unabhängigkeitserklärung vom 24. Mai 1993 ist Isayas Afewerki Staats- und Regierungschef in einer Person, seine Herrschaft ist autoritär, das Staatsmodell undemokratisch. Es existiert keine Pressefreiheit und die Menschenrechtslage ist sehr bedenklich. Gemäss amnesty international werden Regierungskritiker, Angehörige verbotener Religionsgemeinschaften, Deserteure und Eritreer, die im Ausland um Asyl ersucht haben, unter Menschen unwürdigen Bedingungen inhaftiert und zum Teil gefoltert.

 

Die Entscheidung fiel nicht leicht

Unter diesen Umständen hat der Vorstand von medico entschieden, die Zusammenarbeit in Eritrea nach Abschluss des laufenden Projekts ›MOGOGO – Kochen ohne Gesundheitsrisiko‹ zirka Mitte 2012 abzuschliessen. Dieser Entscheid fiel nicht leicht, hatte doch unsere Zusammenarbeit mit der Eritreischen Befreiungsfront 1973 hoffnungsvoll und in solidarischer Verbundenheit mit den FreiheitskämpferInnen begonnen. Ausserdem war uns klar, dass die Projektverantwortlichen Esther Haas und Silvia Voser zwar viele Bedenken mit uns teilten, aber den endgültigen Entscheid zum Ausstieg aus der Eritrea-Projektarbeit bedauerten.

Der Vorstand dankt an dieser Stelle allen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung. Mit Ihrem Beitrag konnten für die Bevölkerung Eritreas wichtige Gesundheitsinitiativen umgesetzt werden. Wir danken den MitarbeiterInnen von Vision Eritrea für die über viele Jahre hinweg gute und zuverlässige Zusammenarbeit. Ein ganz besonderer Dank geht an unsere Projektverantwortlichen Esther Haas und Silvia Voser, die mit viel Engagement und fachlichem Können die Projektbegleitarbeit ehrenamtlich geleistet haben.

Der Vorstand