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Alba Cruz vom Komitee 25. November aus Oaxaca in der Schweiz zu Besuch Drucken E-Mail
bild060.jpgNina Schneider, 25.2.2010
Anlässlich der Internationale Tagung „mexico quo vadis" der Deutschen Menschenrechtskoordination Anfang Februar 2010 reisten viele VertreterInnen mexikanischer Menschenrechtsorganisationen nach Berlin. Die Anwältin und Aktivistin Alba Cruz von unserer Parternerorganisation 25. Novembre in Oaxaca besuchte auf Einladung der schweizerischen Mexikoplattform Propaz vom 10.-14.2. die Schweiz. Neben diversen NGOs traf Alba Cruz auch Vertreter des EDA und konnte ihrem Kampf gegen die allarmierende Menschenrechtspolitik Calderóns auch auf höchster politischer Ebene Gehör verschaffen.

An einem Arbeitslunch im Sitzungszimmer von medico und an der Veranstaltung im Zürcher Volkshaus sprach Alba Cruz über die Kriminalisierung sozialer Proteste in Oaxaca. 


Menschenrechte in Mexiko


Mexiko führt – so Alba Cruz – bezüglich der Implementierung der Menschenrechtscharta einen doppelten Diskurs. Auf internationalen Foren spielten sich Regierungsvertreter als aktive Förderer und Verteidiger von Menschenrechten auf - im Alltag in Mexico und insbesondere in aufständischen Bundesstaaten wie Oaxaca, Guerrero, Puebla, Chiapas etc. treten Polizei, Justiz und Armee die Grundrechte der Menschen zunehmend mit Füssen. Seit den Streiks und Demos in Oaxaca Stadt von 2006/07 muss gar von einer systematischen Verletzung der Menschenrechte politisch aktiver VertreterInnen der BürgerInnenbewegung gesprochen werden.

Soziale Probleme werden kriminalisiert und die Rechte auf auf Meinungs-, Versammlungsfreiheit beschnitten. Durch das Foltern politischer Gefangener und die Belästigung, Einschüchterung und Verfolgung von MenschenrechtsaktivistInnen verfolgt die Regierung eine Politik der Angst, welche rundum Apathie, Verwirrung und Misstrauen erzeugt sowie die sozialen Bewegungen in ihrer Arbeit schwächt. Oft genügt es jung zu sein, resp. schwarze Kleider oder einen Rucksack zu tragen, um ins Blickfeld der Häscher zu gerateten und Opfer von Verleumdungen, Übergriffen oder einer Verhaftung zu werden, erläutert Alba.
Eine wichitge Rolle in der Manipultation der öffentlichen Meinung spielen auch die staatlichen Massenmedien. Während regionale Radio- und TV-Stationen die soziale Bewegung während der Streiks 2006/07 stützen und legitimierten, lancieren heute - so Alba Cruz - die staatlichen Sender Verleumdungskampagnen gegen Protestbewegungen jeglicher Art.


Drohungen gegen Folteropfer und ihre AnwältInnen


Auf die Sammelklage der Folteropfer, die vom Komitee 25. November begleitet wird, reagiert der Staat mit direkter Repression. Betroffene, ZeugInnen und AnwältInnen werden schikaniert und bedroht. Am Treffen in Zürich erzählte Alba Cruz, wie sie auf der Strasse von dubiosen Gestalten verfolgt und angesprochen wird, sie erzählt von Mordrohungen per SMS, von einem suspekten Einbruch im Büro des Komitees und davon wie die Stromzuleitung zu ihrem Privathaus gekappt wurde. Aufgeben will sie aber keinesfalls, auch wenn sie sich eingesteht, dass die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen meist mangelhaft sind.

In der Hoffnung, dass der mexikanische Staat wenigstens dem internationalen Protest Bedeutung zumisst, beschlossen die Mitgliederorganisationen von Propaz gemeinsam, in einem Brief an mexikanischen Botschafter unserer Besorgnis über die Menschenrechtslage in Südmexiko Ausdruck zu verleihen. Es unterschrieben Poropaz, medico international schweiz, der Solifonds, die Chiapas-Solidarität, PBI, Peace Watch, Fastenopfer, Heks und Amnesty International Schweiz.


Instrumentalisierung des Drogenkriegs gegen soziale Bewegungen

In ihrem Vortrag im Volkshaus denunziert die mexikanische Anwältin Alba Cruz Calderóns Drogenpolitik als verdekte Aufstandsbekämpfung. Überall, wo sich Aktionsgruppen bilden gegen den Ausverkauf und die Zerstörung natürlicher Ressourcen, gegen die Verdrängung indigener Sprache und Kultur oder für die Partizipation an lokalen Entscheidungen, werden - so Alba - Gerüchte über die Existenz von Drogenkartellen und korrupten Seilschaften gestreut. Der Plan Merida, das Sicherheitsabkommen zwischen Mexico und den USA, das offiziell der Zerschlagung von internationalen Drogen- und Schlepperkartellen und der Geldwäscherei dienen sollte, wird innenpolitisch zur Militarisierung der Gesellschaft und zur Unterdrückung sozialer Bewegungen genutzt. So etwa gegen den sich formierenden Widerstand gegen transnationale Unternehmen, die sich zum Abbau von Bodenschätzen und der Erzeugung von Elektrizität mittels Windparks grosse Ländreien aneigenen oder gegen den Plan Puebla Panamá ein imenses Tourismus- und Handelsprojekt, das mit dem Bau einer Transversalen durch 9 mexikanische Bundesstaaten und sieben zentralamerikansche Länder versucht die Wirtschaft anzukurbeln, aber nichts für die 67 Millionen Menschen entlang der Piste abwirft, die zu 78% unter der Armutsgrenze leben.

Trotz Calderóns Repression leisten geben die zunehmend entrechteten und verarmten Menschen nicht auf. „Unsere Bevölkerung in Oaxaca lebt in der Tradition des Kampfes", erläutert Alba Cruz. Nur auf diesem Hintergrund sei es möglich Widerstand gegen die nationale Bildungsreform zu leisten und im Schulunterricht in den Gemeinden weiterhin eine Vielzahl indigener Sprachen zu fördern. Statt global vereinheitlichten Bildungsinhalten, gelte es den Kindern ein Bewusstsein für Tradition und ein Bezug zum selbst bewirtschafteten Boden zu vermitteln. Für die anstehenden Wahlen, formuliere man nun gemeinsam, über die zersplitterte Bewegung hinweg, verbindliche Forderungen, welche gewählte KandidatInnen auf eine gerechte Wirtschafts- und Sozialpolitik verpflichten.