"Helft den cubanischen ÄrztInnen in Haiti helfen" Drucken E-Mail
Von Beat Schmid, Havanna

cubanische aerzte.jpgSo titelte eine deutsche Zeitung wenige Tage nach dem Erdbeben - was ist genau damit gemeint? Seit 11 Jahren war und ist eine cubanische Gesundheitsbrigade mit über 400 Personen in 127 der 137 haitianischen Gemeinden präsent und wird teilweise durch die venezolanische Regierung mitfinanziert. Vor dem Erdbeben bildete sie während Jahren das Rückgrat der prekären haitianischen Gesundheitsversorgung. "Die CubanerInnen kamen nicht, sie waren schon da", bemerkte der haitianische Gesundheitsminister treffend. Auf CNN berichtete ein chilenischer Notarzt, dass er und seine KollegInnen wegen der prekären Sicherheitslage nachts nicht im Notspital bleiben. Auf die Frage, wer während ihrer Abwesenheit die PatientInnen versorge, meinte er: "Die CubanerInnen". Auf die Nachfrage, ob es denn für die nicht auch gefährlich sei, antwortete er: "Die sind schon lange hier. Die kennen sich aus. Sie sind bekannt und anerkannt".

Sofort nach dem Erdbeben begannen die CubanerInnen - die glücklicherweise keine Opfer zu beklagen hatten - Nothilfe zu leisten. Das zweite Flugzeug mit Hilfsgütern, das in Port au Prince landete, kam aus Cuba (das erste aus Venezuela). Die Brigade wurde aufgestockt und betreibt aktuell mehrere Feldspitäler, mobile Brigaden besuchen die Leute in den Lagern und zu Hause in den Quartieren. Die Zusammenarbeit mit medizinischem Personal aus anderen Ländern scheint hervorragend zu funktionieren.

Die Brigade umfasst mittlerweile mehr als 600 Personen. Ein Teil davon sind HaitianerInnen, die in Cuba Medizin studiert haben. Seit dem verheerenden Hurrikan Mitch bildet Cuba junge Leute aus Lateinamerika gratis in Medizin aus. Mehrere tausend junge ExpertInnen aus über 20 Ländern haben mittlerweile ihr Studium abgeschlossen, darunter auch viele aus Haiti. Auch die haitianische StudentInnen aus den oberen Studienjahren können nun sachkundig ihren Landsleuten helfen.

Die cubanische Expertise in Notsituationen ist breit anerkannt - Norwegen unterstützte die cubanischen Brigaden zum Beispiel bereits nach dem Erdbeben in Pakistan und tut es nun erneut im Falle Haitis. Dies ist eine Pionierleistung von Nord-Süd-Süd-Zusammenarbeit, bei der vorhandene Ressourcen im Süden gezielt genutzt und unterstützt werden. Cuba stellt das Personal, braucht aber ausländische Zuwendungen um den konkreten Einsatz und das medizinische Material finanzieren zu können.

"ÄrztInnen, nicht Soldaten braucht Haiti"
Angesichts der US-Invasion mit schwerbewaffneten Marine-Soldaten, die sich als humanitäre Spezialisten profilieren wollen und im Nebenzug Haiti geradezu besetzen, ist eine Unterstützung der cubanischen Brigade auch ein politisches Zeichen - Solidarität, nicht Intervention ist gefragt. Mit der direkten Unterstützung der cubanischen Brigade, die direkt vor Ort arbeitet, können wir unseren Beitrag zu Gunsten einer basisnahen Katastrophenhilfe leisten.

Link zu weiteren Informationen und Artikel zu Hintergründen, den cubanischen Nothilfeprogrammen sowie kritische Abhandlungen zur militärischen, wirtschaftlichen und politischen Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe