von Jochi Weil
Januar 2010 Rund 1'400 Frauen und Männer aus 42 Ländern waren auf den
27.12.09 nach Kairo gereist, um am lange vorbereiteten Gaza Freedom
March teilzunehmen. Geplant war, am 29. Dezember über die
palästinensisch-ägyptische Grenze bei Rafah im Süden des Gazastreifens
einzureisen und sich am 31. zusammen mit etwa 50'000 PalästinenserInnen
in Richtung Norden zum Eretz Crossing Point, dem Übergang zu Israel zu
bewegen. Dies im widerständischen Gedenken an die Operation „Gegossenes
Blei" der israelischen Armee IDF vor einem Jahr. Es sollte auch ein
Protestmarsch gegen die seit drei Jahren andauernde Blockade Gazas
werden.
Im Vorfeld zu dieser gross angelegten internationalen Aktion und der
Unterstützung hier in der Schweiz durch gut 40 Organisationen, darunter
auch medico international schweiz, hatte ich Gelegenheit drei junge
Menschen etwas kennen zulernen, die am 26. Dezember mit vier andern aus
der Schweiz nach Kairo reisten. Mikael Eriksson, Vera Hug und
Anna-Katharina Thürer wollten sich mit ihrer Teilnahme am Marsch gegen
das Unrecht, welches PalästinenserInnen seitens von Israel seit über 42
Jahren widerfährt, einsetzen und ihre Stimme erheben. Anna-Katharina
bin ich anlässlich eines Gesprächs über ihre Lizentiatsarbeit zur
Solidarität mit Palästina begegnet, Mikael habe ich an der
gesamtschweizerischen Vorbereitungssitzung im Hinblick auf den Gaza
Freedom March am 5. Dezember 2009 in Bern etwas kennen gelernt. Ihre
erfrischenden Haltungen, ihre Träume und Hoffnungen auf Gerechtigkeit
beeindrucken mich, ja haben mich „angezündet".
In Kairo kam es anders, als geplant. Die ägyptische Regierung hatte
sich dazu entschlossen, den von weither Angereisten die Einreise nach
Gaza zu verwehren, dies trotz freundlichen Briefen an ägyptische
Botschaften aus verschiedenen Ländern. Diese Machtdemonstration löste
verständlicherweise grossen Unwillen unter den Menschen aus, die sich
ein FREE PALESTINE wünschen. Auch die zahlreichen Protestkundgebungen
wurden verboten und durch massive Polizeiaufgebote verhindert, so auch
die Abreise von TeilnehmerInnen mit Bussen in Richtung Rafah.Die
Stimmung vor Ort beleuchtet das Gespräch mit A.-K. Thürer aus Kairo
im Tages-Anzeiger Online vom 30. Dezember 2009.
Den vielen TeilnehmerInnen aus Frankreich gelang es, sich vor deren
Botschaft zu versammeln und gegen die Verbote Ägyptens zu protestieren.
Sie forderten die französische Regierung auf, sich für die Anliegen des
GAZA FREDOM MARCH einzusetzen. Ein riesiges Polizeiaufgebot „umrahmte"
die Protestierenden aus Frankreich, denen sich auch solche aus andern
Ländern angeschlossen hatten. Sie skandierten Slogans wie „Free, Free
Palestine!" und entspannten die Stimmung durch musikalische
Darbietungen und Singen. Mit diesen Aktionen konnten sie auch
Polizisten für ihre Anliegen gewinnen. Gut sichtbar lockerten sich
deren Gemüter und zum Teil klatschten sie mit. Es lohnt sich, diesen kurzen Web-Film zu schauen.
Die Solidarität in der Schweiz
Der GAZA FREEDOM MARCH wurde vom 27.12.09 bis 2.1.10 aus der Schweiz
mit Mahnwachen an verschiedenen Orten unterstützt. Auftakt hierfür
bildete die Mahnwache in Bern auf dem Bundesplatz mit 1'500 brennenden
Kerzen im Gedenken an alle im Gaza-Krieg getöteten Menschen. Es war
eindrücklich, an dieser Kundgebung teilzunehmen und dort viele Bekannte
zu treffen. Eindrücklich waren auch die Bilder in der abendlichen
Tagesschau mit den brennenden Kerzen und dem Transparent mit dem
Schriftzug FREE PALESTINE.
Am gleichen Tag fand eine ähnliche Aktion in Genf statt. In Zürich traf
man sich am 28., 29., 30. und 31. Dezember zu einer abendlichen
Mahnwache am Central. Jeden Abend bin ich kurz vorbei gegangen. Meine
Bewunderung gilt jenen Männern, Palästinensern und anderen Arabern
sowie den Frauen, die bei Kälte, Wind und Regen stundenlang ausgeharrt
sind, Flugblätter verteilt und PassantInnen zum Anzünden einer Kerze
motiviert haben.
Eine Frau brachte auf dem Bundesplatz zum Ausdruck, was viele von uns
denken: Dass unsere Aktion bei den politisch Verantwortlichen wohl
nichts bewirkte, wohl aber die Betroffenen in ihrem Widerstand ermutigt.
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