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Morde an UmweltkämpferInnen - der FMLN fordert Aufklärung |
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von Nina Schneider
Januar
2010 Die Morde an den AktivistInnen des Comité Ambiental de Cabañas
(CAC) im salvadorianischen Departement Cabañas im Dezember beunruhigen
breite Kreise der Zivilgesellschaft wie auch die Parteispitze des
FMLN. Der erfolgreiche Kampf gegen die grossflächige
Goldförderung im Tagbau des kanadischen Minenmultis Pacific Rim, wird
von kriminellen Gruppierungen mit Gewaltexzessen beantwortet. Schon im
letzten Juni wurde der FMLN-Kader und Ökoaktivist Marcelo Rivera
verschleppt und ermordet. Seine Leiche fand man mit Folterspuren in
einem Brunnenschacht. Kurz darauf wurden Mitarbeiter des lokalen
Basisradios Victoria ernsthaft bedroht und ein engagierter Priester
konnte sich der Ermordung nur mit einem Sprung in eine Schlucht
entziehen.
Ende Dezember haben offenbar dieselben Täter erneut
zugeschlagen. Am 20. Dezember wurden Ramiro Rivera, Vizepräsident des
CAC, und eine mit ihm im Auto fahrende Frau ausserhalb des Städtchens
Ilobasco erschossen. Die zwei Polizisten, die den Schutz des massiv
bedrohten Ramiro sicherstellen sollten, wurden laut Auskunft des
Polizeidepartements durch fünf professionell operierende, schwer
bewaffnete Tätern neutralisiert und zum Teil verletzt. Aus Kreisen des
CAC heisst es hingegen, die beiden Polizisten hätten nichts zur Rettung
Ramiros und seiner Begleiterin unternommen.
Am 26. Dezember
wurde in Trinidad, nahe der Departementhauptstadt Sensuntepeque die
32-jährige Dora Alicia Sorto auf dem Weg zum Fluss erschossen. Sie war
im 8. Monat schwanger und trug ein zweijähriges Kind in ihren Armen,
das von den Schüssen glücklicherweise nur am Fuss verletzt wurde. Auch
Alicia und ihre Mann José Santos Rodríguez sind Mitglieder des CAC und
hatten sich aktiv gegen den Minenbau engagiert. José Santos war im Mai
2008 von Angestellten von Pacific Rim mit Macheten angegriffen worden
und hatte dabei einige Finger verloren. Schon damals spielte die
Polizei eine zwielichtige Rolle, als sie den Verletzten zuerst auf der
Wache vernahmen, bevor sie ihn verarzten liessen.
Was in
Cabañas geschieht, ist erschreckend. Der lokale Widerstand in Cabañas
soll gebrochen werden. Die Pacific Rim versuchte es mit Bestechung von
einzelnen DorfbewohnerInnen aber auch mit Drohungen gegen das sozial-
und umweltkritische Radio Victoria, das in kurzer Zeit zum Sprachrohr
der Minen-GegnerInnen wurde. Auch es wird seit Monaten wegen seiner
kritischen Haltung bedroht. Die letzten Morde können auch als
Denkzettel gegen den Radiosender gelesen werden.
Trotz allem ist kaum anzunehmen, dass dem Druck der kanadischen
Minengesellschaft stattgegeben wird. Die Regierung Funes wird der
Goldförderung im Tagbau nicht zustimmen. Selbst die katholische Kirche
und andere Teile der Rechten sprechen sich gegen das Vorhaben aus.
Derweil verfolgt Pacific Rim ein Verfahren vor dem
Investorenschiedsgericht der Weltbank und fordert mehrere hundert
Millionen Dollars „Entschädigung" für den Verzicht auf den Bau
der Mine. Zu den Morden und Drohkampagnen gegen AktivistInnen schweigt
sich Pacific Rim bisher komplizenhaft aus. Ganz in der Tradition der
Straflosigkeit bleiben auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft
passiv. Bisher gab es keine Festnahmen und alle möglichen Spuren und
Hintergründe wurden von der Polizei von Cabañas ignoriert. Aus dem offenen Protest der FMLN wird klar, dass für einmal die
Regierung nicht hinter der Gewalteskalation und Repression steht.
Dennoch zeigen die Ereignisse in Cabañas, dass die Lage im Land weiter
labil ist. Noch ist die Macht der FMLN-Kader an der Spitze der Polizei
und des Innenministeriums zu wenig gefestigt, um Mordkommandos vor
Gericht bringen zu können. In Communiqué vom 28. Dezember des FMLN
heisst es denn auch:
-
„Der FMLN ... verlangt von der Staatsanwaltschaft und der
nationalen Zivilpolizei eine gründliche Untersuchung, um der
Verantwortlichen für diese Morde habhaft zu werden. Wir fordern die
Regierung dazu auf, die Mittel und geeignetes Personal zur Verfügung zu
stellen, damit die Schuldigen aufgespürt und mit aller Schärfe des
Gesetzes bestraft werden. Die lokalen Behörden waren nicht fähig, diese
Vorfälle aufzuklären, sei es, weil sie bedroht, manipuliert, erpresst
oder korrumpiert wurden".
-
„... Wir solidarisieren uns mit den
Aktionen der Bevölkerung von Cabañas, gegen das Minenprojekt von
Pacific Rim, denn die Terrorkampagne gegen Aktivistinnen und Aktivisten
der Umweltschutzbewegung dauert an."
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„... Wir rufen alle BürgerInnen auf,
ihre Anstrengungen gegen die Straffreiheit zu verdoppeln und die Kräfte
für eine starke, artikulierte und friedliche Verteidigung des Lebens
und zur Unterstützung der Geschädigten durch Minenprojekte zu vereinen."
Rund um Suchitoto im angrenzenden Departement Cuscatlan, wo medico die
Hebammenprojekte unterstützt, steigt die Angst vor einer erneuten Welle
politischer Gewalt. Die Ermordungen von jungen Aktivisten im
Zusammenhang mit den Protesten gegen die Wasserprivatisierung im Jahr
2008 sind allen noch in bleibender Erinnerung. Mehrere Hebammen aus den
Dörfern um Suchitoto haben damals Familienangehörige verloren.
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