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Oaxaca: Folgen einer einjährigen Haft Drucken E-Mail
cartellibertad-castigo.jpg 16.10.09. Heute jährt sich die Verhaftung von Juan Manuel in Oaxaca, Südmexiko. Seit einem Jahr kämpft unsere Partnerorganisation „Komitee 25. November“ für die Freilassung von Juan Manuel, 36, dreifacher Vater, Bäcker von Beruf. Er war in seiner Gemeinde Santa Lucia del Camino kirchlich aktiv, engagierte sich ehrenamtlich für den Schulsport und war bekannt und beliebt als eine Stimme gegen die regierende PRI in diesem Vorort von Oaxaca Stadt. Vor genau einem Jahr, am 16. Oktober 2008, wurde er verhaftet. Der konstruierte Vorwurf: Mord an Brad Will, dem US-amerikanischen Indymedia-Journalisten, welcher 2006 auf dem Höhepunkt des Aufstandes in Oaxaca ermordet wurde.
Hintergrund seiner Haft und der juristischen Verfahren siehe Faltblatt: Freiheit Juan Manuel (pdf)

Was diese Haft für die Angehörigen und für Juan Manuel selber bedeutet, schildert die Ehefrau von Juan Manuel, Liliana, anlässlich eines Interviews mit medico am Jahrestag seiner Verhaftung:

„Als Familie stehen wir geschlossen für Juan Manuel ein. Aber trotz der Familie und trotz aller Solidarität von aussen, die uns stärkt, fühlen wir uns emotional sehr schlecht, alleine, am Boden zerstört. Es gibt eine Lücke in unserem Leben, die niemand ausfüllen kann, und das ist Juan Manuel. Jeden Tag beginne ich von Neuem mit dieser Beklemmung, mit diesem Leiden, das uns nie loslässt. Jeden Tag gehe ich ins Gefängnis, Juan Manuel besuchen, es gab keinen Tag, an dem ich nicht hin ging. Und jedes Mal muss man diese Erniedrigungen erleiden, bei den Kontrollen. Sie hegen offensichtlich besondere Rachegelüste gegen einen Aktivisten wie Juan Manuel und lassen dich das spüren, machen Sprüche und Beleidigungen, aber man muss das alles still ertragen, denn wenn man etwas sagt, dann zahlt nachher Juan Manuel die Konsequenzen.“

Auch seien ihre drei Kinder immer wieder erkrankt, kaum sei eines gesund, werde ein anderes krank, dies als Folge der psychischen Belastung. Die Familie hat deshalb auch eine durch medico finanzierte psychologische Betreuung erhalten. Liliana erzählt, dass diese sehr wichtig sei, um sich aussprechen zu können und die Folgen der Haft zu ertragen.

Liliana erzählt, Juan Manuel sei in der Haft in seiner Haltung bestärkt worden. Er denke zwar an die Familie, aber auch daran, wie viele weitere Menschen unter der repressiven Regierung leiden. Er sei allerdings schon sehr besorgt, insbesondere um die Gesundheit seiner Familie. Wenn Liliane wegen irgendeiner Sache später kommt, bekommt er es mit der Angst zu tun, fürchtet, sie sei von den wahren Mördern von Brad Will überfallen worden. Ähnliche Ängste stehen die beiden um ihre Kinder aus.

Ein längerer  Artikel zum Thema Straflosigkeit und Kriminalisierung sozialer Proteste in Mexiko wird im medico-Bulletin 4/09 erscheinen:
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Informationen zum medico-Projekt in Oaxaca:
Oaxaca: Folterdokumentation