Schwangerschaft und Geburt gehören zu den grössten Gesundheitsrisiken im Leben einer Frau. Weltweit sterben jährlich über 350'000 Frauen in der Schwangerschaft, während oder nach der Geburt und rund 3.6 Mio. Neugeborene innerhalb der ersten Lebenswochen. Die meisten Todesfälle geschehen dort, die Frauen keinen Zugang zum Gesundheitswesen haben oder wo qualifizierte Gesundheitsfachkräfte, insbesondere Hebammen, fehlen. Viele dieser Todesfälle wären bei frühzeitiger Erkennung der Komplikationen und durch angemessene medizinische Intervention abwendbar.
«Wollen wir an dieser Situation nachhaltig etwas verändern, müssen wir in die qualifizierte Betreuung investieren», sagt Dr. Flavia Bustreo von der WHO. «Hebammen können in den Gemeinden und in Basisgesundheitseinrichtungen diese Betreuung gewährleisten und sie können die Frauen wenn nötig in Spitäler und andere Notfallstationen überweisen.» (WHO 2011, midwifery-report)
Die Hebammen von Suchitoto
Was die WHO in einer Studie kürzlich erhoben hat, kennen die Mitglieder unserer Partnerorganisation in Suchitoto aus eigener Erfahrung. 1999 gründeten die ausgebildeten Hebammen den Verein. Ziel dieser Hebammenvereinigung ist es, die kompetente Begleitung der Frauen und ihrer Neugeborenen in den ländlichen Gemeinden zu gewährleisten sowie vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen für die Anliegen der Familienplanung und der Frauengesundheit zu sein. Durch ihre anerkannte Präsenz in den Gemeinden leisten sie zudem einen Beitrag an die Reduktion der weit verbreiteten häuslichen und sexuellen Gewalt gegen Frauen. Zusätzlich übernehmen sie eine wichtige Funktion in der psychosozialen Unterstützung von schwangeren Frauen in besonders schwierigen Situationen.
Basisnah und präsent
Zur Zeit sind der Hebammenvereinigung «Rosa Andrade de Gutierrez» 30 Hebammen angeschlossen. Sie arbeiten in 32 ländlichen und oft weit abgelegenen Gemeinden. Für ihre Arbeit erhalten die Hebammen keinen fixen Lohn. Die Familien bezahlen das, was ihnen ihre oft sehr prekäre wirtschaftliche Situation zulässt. Oft wird die Entschädigung in Naturalien ausgerichtet.

Gemeinsam stark sein
Der Zusammenschluss der Hebammen ermöglicht ihnen den Austausch untereinander, die gegenseitige Beratung und das Organisieren von Weiterbildungen. Zudem setzen sie sich für die politische und professionelle Anerkennung des Hebammenberufs ein. Ausgehend von einem kleinen Zusammenschluss, haben sich die «Hebammen von Suchitoto» zu einer starken und aktiven Hebammenvereinigung entwickelt. In der lokalen Vernetzung mit andern Frauenorganisationen und über die Landesgrenzen hinweg sehen sie eine Chance, mehr Einfluss zu nehmen und an Identität und Stärke zu gewinnen.
Qualität sichern und Wissen weitergeben
Nun steht für die Organisation ein weiterer wichtiger Schritt an: die langfristige Sicherstellung der Betreuungs- und Beratungsarbeit und der Einsatz für die staatliche Anerkennung der Hebammentätigkeit. Neben der konstanten Weiterbildung der praktizierenden Hebammen, sollen auch jüngere Frauen ausgebildet werden, die diese Arbeit mit vollem Einsatz und einfühlsamem Engagement für die Mütter und ihre Kinder leisten. In diesem Herbst und mit Ihrer Unterstützung möchten wir ermöglichen, dass sowohl junge angehende Hebammen wie auch die bereits praktizierenden «parteras» ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auf einen soliden Stand der aktuellen medizinischen Erkenntnisse bringen. Hierfür sind zwei intensive Weiterbildungswochen in diesem Jahr und zwei weitere Bildungsblöcke 2012 vorgesehen.
Süd-Süd-Kontakt und Vernetzung
Drei Fachfrauen aus den Bereichen der Frauengesundheit und der Pädagogik, die seit vielen Jahren in Nicaragua in einem ähnlichen Kontext arbeiten, werden den Hebammen von Suchitoto aktuelles Fachwissen für die praxisnahe Umsetzung vermitteln. Die Frauen kennen die Lebenssituation der Familien unter prekären wirtschaftlichen Bedingungen und die Bedeutung von lokalen Vereinigungen wie die Hebammenorganisation genau. Dieser Erfahrungshintergrund ist von zentraler Bedeutung. Das Wissen um die besonderen lokalen Probleme definiert den Handlungsspielraum der praktizierenden Hebammen. Ein Wissenstransfer auf regionaler Ebene erleichtert das Verständnis und die reale Umsetzbarkeit des Gelernten.
1. Das laufende Budget für die Aktivitäten der Hebammenvereinigung beinhaltet folgende Posten:
| Lohn Koordinatorin und Buchhalterin | 4'620.- |
| Begleitung und Supervision der Hebammen | 6'435.- |
| Spesen für die praktizierenden Hebammen | 7'500.- |
| Familienplanungsprogramm | 2'160.- |
| Aktivitäten zur Gesundheitsförderung | 585.- |
| Allgemeine Auslagen für Büro und Kommunikation | 1'555.- |
| Total laufende Ausgaben pro Jahr | 22'855.- |
2. Die Kosten für einen Weiterbildungsblock setzen sich wie folgt zusammen:
| Transport und Unterkunft der Kursleiterinnen | 600.- |
| Honorar der Kursleiterinnen | 1'620.- |
| Transport, Verpflegung und Unterkunft der 30 Hebammen | 1'620.- |
| Total Kosten pro Ausbildungsblock | 3'840.- |
| Total Kosten für zwei Jahre und vier Ausbildungsblöcke | 61'070.- |
Die Hebammen von Suchitoto auf YouTube (SF mitenand Beitrag 2004)