medico international schweiz

Projektpartnerschaft Vietnam 2012/2013

Gesundheitsförderung und soziale Integration für alten Menschen in Vietnam

Die Generation der heute alten Menschen in Vietnam bezahlt einen bitteren Preis. Viele haben im Krieg, der drei Millionen Opfer gefordert hatte, ihre Kinder verloren oder ihre Nachkommen sind als ‚boat people’ übers Meer in den Westen emigriert. Zusätzlich liess die Sogwirkung der grossen Städte viele alten Menschen alleine auf dem Lande zurück. Eine Entwicklung mit schlimmen Auswirkungen für die Betagten, wurde ihre Betreung und Pflege in Vietnam doch traditionell von der Familie übernommen. Das erst in Ansätzen vorhandene Sozialsystem vermag die Lücken nicht zu füllen. Für zu viele der zurück gebliebenen Alten bedeutet dies Armut, Krankheit und Vereinsamung.

Um diese vergessene Generation medizinisch und sozial zu unterstützen, iniitierten wir im August 2004 ein Pilotprojekt in Vietnam, das sich bis heute äusserst vielversprechend entwickelt hat. Mit unserer Jahrespartnerschaft 2012/2013 wollen wir unsere Anstrenungen für die alten Menschen weiter intensivieren und dazu beitragen, dass sich dieses Modell der Altenbetreuung flächendeckend ausbreiten kann.

 

Zuwendung für eine vergessene Generation 

Ziel des vor acht Jahren lancierten Projekts war es, diese allein gelassene und verletzliche Generation zu erfassen und zu unterstützen. Zu diesem Zweck wurden „Clubs der Alten“ gegründet, die den Seniorinnen und Senioren eine neue Heimat bieten, die sie in Gesundheitsfragen, Ernährung und Altersturnen unterrichten und sich auch um eine Pflege zu Hause kümmern sollten. Zusätzlich wurde eine Infrastruktur angeboten, die Spiele, Unterhaltung und Kultur offeriert.

Um dies zu erreichen, wurde die ganze Dorf- oder Quartierbevölkerung für die Anliegen der Seniorinnen und Senioren sensibilisiert. Es wurden Kurse für alle VerantwortungsträgerInnen angeboten, also für die RepräsentantInnen der Zivilgesellschaft, der VertreterInnen der Behörden, der Frauen- und Jugendorganisationen, der Partei und Gewerkschaften, aber auch der Samaritervereine, usw. In zusätzlichen Kursen wurden Freiwillige ausgebildet, die die alten Menschen bei ihren Aktivitäten unterstützen und als eine Art freiwilliger Spitex die Betreuung und Pflege ihrer Schützlinge übernehmen.

 

Ein Projekt mit Ausstrahlungskraft

Das Projekt hatte Vorbildcharakter, da in Vietnam eine institutionelle Altersbetreuung noch beinahe unbekannt war. Bereits die erste Umsetzung in Hué, einer Stadt mit grossem ländlichem Einzugsgebiet, entwickelte sich zu einem vollen Erfolg und das Projekt erhielt bald nationale Bekanntheit. Aus der Hauptstadt, aber auch aus anderen Provinzen reisten Verantwortliche der Altersbetreuung an und liessen sich über das Projekt informieren.

Unterdessen haben wir die alten Menschen in einem knappen Dutzend Dörfer und Quartiere erreicht und das Projekt wurde durch die Abgabe von Medikamenten ergänzt. Zwar erhalten in Vietnam die allerärmsten Menschen die Medikamente umsonst, aber auch für jene, die nicht mehr dazu zählen, aber keineswegs wohlhabend sind,  sind Medikamente oft unerschwinglich. Ihnen finanziert das Projekt die Medikamente aus einem dafür eingerichteten Fonds.

Bei unserem letzten Besuch im vergangenen November konnten wir uns davon überzeugen, dass in den verschiedenen Dörfern und Quartieren das Projekt von der lokalen Bevölkerung und den lokalen Behörden nach Kräften unterstützt und weitergetragen wird. So haben beispielsweise die Mitglieder eines der Clubs Geld gesammelt und einen Ping-Pong-Tisch erworben. In einem anderen Dorf erzählte uns die Bürgermeisterin, ihre Gemeinde hätte beschlossen, den unterdessen aufgebrauchten Medikamentenfonds aus Gemeindegeldern wieder zu äuffnen.

Das Projekt wird umgesetzt und getragen von unseren vietnamesischen Partnern, der lokalen Sektion der nationalen ‚Vereinigung der alten Menschen’ zusammen mit den lokalen Behörden der Stadt Hué. Die Supervision wird sichergestellt durch die nationale Organisation CASCD (Center for Ageing Support and Community Development), eine Tochter des Vietnamesichen Roten Kreuzes, bestehend aus Fachleuten für medizinische und altersspezifische Fragen.

 

Mehr Gesundheit für die alten Menschen in vier zusätzlichen Quartieren

Der Umfang unseres diesjährigen Partnerschaftsprojektes mag bescheiden erscheinen. Die Ausstrahlungskraft der darin geleisteten Arbeit und ihr Potential für eine erfolgreiche Multiplikation sind dafür umso grösser. Um diesem für die nationale Altersversorgung in Vietnam wegweisenden Projekt zu noch mehr Breitenwirkung zu verhelfen, wollen wir mit der diesjährigen Jahrespartnerschaft die Implementierung in vier zusätzlichen Quartieren in der Stadt Hué ermöglichen. Mit Ihrem Beitrag, liebe Spenderinnen und Spender, unterstützen Sie alte Menschen in den Quartieren Phu Cat, Thuan Hoa, An Dong und Thuy Bieu dabei, Isolation und Einsamkeit zu durchbrechen und Zugang zu Pflege und Betreuung zu erhalten. Und Sie unterstützen die Etablierung einer bedürfnisgerechten, wertschätzenden und flächendeckenden Versorgung für alten Menschen in Vietnam. Allfällige überzählige Einnahmen werden im Folgejahr für die nächste Projekttranche eingesetzt.

 

Das Budget für dieses Projekt besteht aus folgenden Posten:

Clubs für Betagte

7’885

Aufbau von 8 Clubs mit insgesamt 400 Mitgliedern, Ausbildung der Verantwortlichen und  Austausch

 

Freiwilligen-Spitex

855

Ausbildung und Austausch für 80 Freiwillige

 

Medizinische Unterstützung

5’890

Gesundheitsuntersuchungen für alle Mitglieder und Abgabe von Medikamenten

 

Projektdurchführung

4’370

Administration, Erstellen von Kursunterlagen, Schlussveranstaltung

 

Total

20’000

Überzahlige Gelder werden für die nächste Projekttranche verwendet.

Marco Medici und Dung Moser-Nguyen, Projektverantwortliche für Vietnam

   

Projektpartnerschaft El Salvador 2011/12

Süd-Süd-Wissenstransfer

Stärkung und Weiterbildung der Hebammen in Suchitoto, El Salvador

 

Schwangerschaft und Geburt gehören zu den grössten Gesundheitsrisiken im Leben einer Frau. Weltweit sterben jährlich über 350'000 Frauen in der Schwangerschaft, während oder nach der Geburt und rund 3.6 Mio. Neugeborene innerhalb der ersten Lebenswochen. Die meisten Todesfälle geschehen dort, die Frauen keinen Zugang zum Gesundheitswesen haben oder wo qualifizierte Gesundheitsfachkräfte, insbesondere Hebammen, fehlen. Viele dieser Todesfälle wären bei frühzeitiger Erkennung der Komplikationen und durch angemessene medizinische Intervention abwendbar.
«Wollen wir an dieser Situation nachhaltig etwas verändern, müssen wir in die qualifizierte Betreuung investieren», sagt Dr. Flavia Bustreo von der WHO. «Hebammen können in den Gemeinden und in Basisgesundheitseinrichtungen diese Betreuung gewährleisten und sie können die Frauen wenn nötig in Spitäler und andere Notfallstationen überweisen.» (WHO 2011, midwifery-report)

 

Die Hebammen von Suchitoto
hebammen_bild_netzWas die WHO in einer Studie kürzlich erhoben hat, kennen die Mitglieder unserer Partnerorganisation in Suchitoto aus eigener Erfahrung. 1999 gründeten die ausgebildeten Hebammen den Verein. Ziel dieser Hebammenvereinigung ist es, die kompetente Begleitung der Frauen und ihrer Neugeborenen in den ländlichen Gemeinden zu gewährleisten sowie vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen für die Anliegen der Familienplanung und der Frauengesundheit zu sein. Durch ihre anerkannte Präsenz in den Gemeinden leisten sie zudem einen Beitrag an die Reduktion der weit verbreiteten häuslichen und sexuellen Gewalt gegen Frauen. Zusätzlich übernehmen sie eine wichtige Funktion in der psychosozialen Unterstützung von schwangeren Frauen in besonders schwierigen Situationen.

 

Basisnah und präsent
Zur Zeit sind der Hebammenvereinigung «Rosa Andrade de Gutierrez» 30 Hebammen angeschlossen. Sie arbeiten in 32 ländlichen und oft weit abgelegenen Gemeinden. Für ihre Arbeit erhalten die Hebammen keinen fixen Lohn. Die Familien bezahlen das, was ihnen ihre oft sehr prekäre wirtschaftliche Situation zulässt. Oft wird die Entschädigung in Naturalien ausgerichtet.

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Gemeinsam stark sein
Der Zusammenschluss der Hebammen ermöglicht ihnen den Austausch untereinander, die gegenseitige Beratung und das Organisieren von Weiterbildungen. Zudem setzen sie sich für die politische und professionelle Anerkennung des Hebammenberufs ein. Ausgehend von einem kleinen Zusammenschluss, haben sich die «Hebammen von Suchitoto» zu einer starken und aktiven Hebammenvereinigung entwickelt. In der lokalen Vernetzung mit andern Frauenorganisationen und über die Landesgrenzen hinweg sehen sie eine Chance, mehr Einfluss zu nehmen und an Identität und Stärke zu gewinnen.

 

Qualität sichern und Wissen weitergeben
Nun steht für die Organisation ein weiterer wichtiger Schritt an: die langfristige Sicherstellung der Betreuungs- und Beratungsarbeit und der Einsatz für die staatliche Anerkennung der Hebammentätigkeit. Neben der konstanten Weiterbildung der praktizierenden Hebammen, sollen auch jüngere Frauen ausgebildet werden, die diese Arbeit mit vollem Einsatz und einfühlsamem Engagement für die Mütter und ihre Kinder leisten. In diesem Herbst und mit Ihrer Unterstützung möchten wir ermöglichen, dass sowohl junge angehende Hebammen wie auch die bereits praktizierenden «parteras» ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auf einen soliden Stand der aktuellen medizinischen Erkenntnisse bringen. Hierfür sind zwei intensive Weiterbildungswochen in diesem Jahr und zwei weitere Bildungsblöcke 2012 vorgesehen.

 

Süd-Süd-Kontakt und Vernetzung
Drei Fachfrauen aus den Bereichen der Frauengesundheit und der Pädagogik, die seit vielen Jahren in Nicaragua in einem ähnlichen Kontext arbeiten, werden den Hebammen von Suchitoto aktuelles Fachwissen für die praxisnahe Umsetzung vermitteln. Die Frauen kennen die Lebenssituation der Familien unter prekären wirtschaftlichen Bedingungen und die Bedeutung von lokalen Vereinigungen wie die Hebammenorganisation genau. Dieser Erfahrungshintergrund ist von zentraler Bedeutung. Das Wissen um die besonderen lokalen Probleme definiert den Handlungsspielraum der praktizierenden Hebammen. Ein Wissenstransfer auf regionaler Ebene erleichtert das Verständnis und die reale Umsetzbarkeit des Gelernten.

 

Das Budget für dieses Projekt besteht aus zwei Teilen.

1. Das laufende Budget für die Aktivitäten der Hebammenvereinigung beinhaltet folgende Posten:

Lohn Koordinatorin und Buchhalterin 4'620.-
Begleitung und Supervision der Hebammen 6'435.-
Spesen für die praktizierenden Hebammen 7'500.-
Familienplanungsprogramm 2'160.-
Aktivitäten zur Gesundheitsförderung    585.-
Allgemeine Auslagen für Büro und Kommunikation 1'555.-
Total laufende Ausgaben pro Jahr 22'855.-

 

2. Die Kosten für einen Weiterbildungsblock setzen sich wie folgt zusammen:

Transport und Unterkunft der Kursleiterinnen 600.-
Honorar der Kursleiterinnen 1'620.-
Transport, Verpflegung und Unterkunft der 30 Hebammen 1'620.-
Total Kosten pro Ausbildungsblock 3'840.-
Total Kosten für zwei Jahre und vier Ausbildungsblöcke 61'070.-

 

Die Hebammen von Suchitoto auf YouTube (SF mitenand Beitrag 2004)