medico international schweiz

Blog México profundo

Donnerstag, den 07. Juli 2011 um 09:17 Uhr

philipp_gerberSeit Ende 2010 lebe und arbeite ich in Oaxaca. Ehrenamtlich widme ich mich der Begeitung der medico-Projektpartner in Mexiko, zusammen mit Sanja Previsic in der Schweiz. Im Austausch mit meinen Kolleginnen entstand die Idee eines Mexiko-Blogs.

Das mediale Bild, das von Mexiko in Europa ankommt, ist stark geprägt durch die Gewalt, die sich im Zuge des Drogenkriegs in Mexiko ausbreitet. Dies insbesondere in Nordmexiko, doch die Eskalation hat auch Auswirkungen weiter südlich, auf die Arbeit unserer Projektpartner und auf andere soziale Akteure. Das Blog soll mit kurzen, regelmässigen Beiträgen diese Arbeit in einem konfliktiven sozialen Umfeld sichtbar machen und somit einen persönlich geprägten, aber auch politisch geschärften Blick hinter die vereinfachte Formel „Tourismusparadies und Drogenkrieg" ermöglichen. So kann das Blog möglicherweise ein Anstoss sein zur solidarischen Aktion mit unseren Projektpartnern oder andern Akteuren im Süden Mexikos.

   

Zu Besuch bei der Partnerorganisation Sadec

Montag, den 07. November 2011 um 09:06 Uhr

«Salud y Desarrollo Comunitario» (Sadec) in Palenque, Chiapas

Bei meinem kürzlichen Besuch in Palenque fand ich die fertige Ausbildungsstätte von Sadec vor. Vor einem Jahr befand sich diese noch im Bau - dafür besuchten wir damals eine der Landkliniken der indigenen Bewegung. Jetzt wird die kleine Ansiedlung in Palenque mit Apotheke, Büroräumlichkeiten, einer zweistöckigen Herberge für Mitarbeiter und KursteilnehmerInnen und einem Veranstaltungsplatz mit Palmendach in der Mitte rege genützt. Dank dem tropischen Klima Palenques mit seinen täglichen Regengüssen hat die Natur die bescheidenen Neubauten schon gänzlich vereinnahmt.

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Oaxaca: Sesselrücken ohne Aufarbeitung der Staatsverbrechen?

Montag, den 05. September 2011 um 10:12 Uhr

Protestaktion gegen anhaltende Straflosigkeit

«Wir fordern Gerechtigkeit und Wahrheit.» Mit diesem Slogan protestierten zwanzig Folterüberlebende, die Witwe eines ermordeten Lehrers und unsere Partnerorganisation Codigo DH am 10. August auf den zentralen Platz von Oaxaca Stadt. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, fasteten sie während der ganztägigen Aktion. Anlass für den Protest sind die nicht gesühnten Staatsverbrechen der Vorgängerregierung sowie die Untätigkeit des neuen Gouverneurs.

Fünf Jahre ist der Aufstand in Oaxaca her. Im Sommer und Herbst 2006 erlebte der Bundesstaat im Süden Mexikos die «Kommune von Oaxaca». Die Stadt war in den Händen der aufständischen Bevölkerung, die sich gegen die korrupte PRI-Regierung erhob. Die Niederschlagung der Rebellion durch Bundestruppen Ende November 2006 bleibt als offene Wunde bestehen. Mit der Abwahl der PRI vor einem Jahr wurde dem Regime dann doch noch die Rechnung präsentiert: Dank historisch hoher Wahlbeteiligung musste die ehemalige Staatspartei nach 80 Jahren den Gouverneurssitz und die Parlamentsmehrheit abgeben.

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Unsere Partnerorganisationen in Mexiko

Donnerstag, den 07. Juli 2011 um 09:20 Uhr

Als Einstieg stelle ich die drei Projektpartner und deren Umfeld kurz vor:

 

Chiapas:

SADEC (Salud y Desarrollo Comunitario) prägt einen Grossteil der zapatistischen Gesundheitsstrukturen in Ausbildung, Prävention und Betreuung von PatientInnen mit. Dieses Gesundheitssystem bauten die indigenen Gemeinden in Chiapas in den letzten zehn Jahren parallel zur schlecht bis gar nicht funktionierenden staatlichen Gesundheitsversorgung auf. Acht Landspitäler der Zapatistas werden durch die ÄrztInnen und weitere medizinische Fachkräfte betreut, in enger Zusammenarbeit mit den indigenen Gesundheitsverantwortlichen. Die Gesundheitsarbeit hat sich zu einem Grundpfeiler der indigenen Autonomie entwickelt, welche die ZapatistInnen nach dem bewaffneten Aufstand von 1994 einforderten, die ihnen aber der Staat nicht zugestehen wollte.

 

Guerrero:

Das CCTI (Colectivo contra la Tortura y la Impunidad) in Guerrero ist eine Aussenstelle des CCTI Büros in Mexiko Stadt. Vor wenigen Jahren gegründet, hat sich die kleine Organisation zu einer wichtigen Stütze in Prävention und Anzeige von Folter entwickelt. Guerrero kämpft bis heute mit dem Erbe einer nicht aufgearbeiteten repressiven Vergangenheit: In den Siebziger Jahren bekämpfte der Staat die Guerrilla auch mit dem gewaltsamen Verschwindenlassen von Personen und anderen Staatsverbrechen. Heute ist Guerrero stark von der Gewalt der organisierten Kriminalität betroffen, was nicht zuletzt der jahrzehntelangen Präsenz des Militärs zuzurechnen ist.

 

Oaxaca:

CODIGO DH (Comité de Defensa Integral de Derechos Humanos - Gobixha) wurde anfang 2011 gegründet, deren MitarbeiterInnen blicken aber auf eine bewegte Vorgeschichte im „Komitee 25. November" zurück, das 2006 nach der Niederschlagung eines sechs Monate dauernden Volksaufstandes entstand und Ende 2010 aufgelöst wurde. Neben der psychologischen, medizinischen und juristischen Betreuung von Folterüberlebenden widmet sich CODIGO DH auch der Bewusstseinsarbeit in der Menschenrechtsarbeit, zum Beispiel mit Jugendlichen und Gemeindeautoritäten, so aktuell in der indigenen Region der Amuzgos, an der Grenze zu Guerrero.